Auf Versuchsfeldern in Uffenheim und Erlach Unter Polizeischutz Genrüben geerntet UFFENHEIM/ERLACH Gentechnisch veränderte Zuckerrüben wurden gestern von zwei fränkischen Versuchsfeldern eingebracht. VON ANDREAS KNAPPE Demonstranten mit Plakaten empfingen gestern in Uffenheim (Lkr. Neustadt/Aisch-Bad Windsheim) den Versuchsleiter des US-Agrochemieunternehmens Monsanto, Dr. Andreas Thierfelder, und die Angestellten eines Analyselabors, die gekommen waren, um die Genrübenernte einzubringen. Hinter einem Zaun und rund um die Uhr bewacht waren die Rüben gewachsen. Unter Polizeischutz wurden sie nun geerntet. Die genaue Bezeichnung der Rüben lautet „Rounup-Ready-Zuckerrüben“. Ihnen sind Gene eingeschleust, die sie immun gegen das Monsanto Totalherbizid - „Roundup“ machen. Das heißt: Der Landwirt benötigt nur ein Spritzmittel, um seine Rübenfelder von Unkräutern freizuhalten. In den Augen des Anbieters hat das Vorteile: Statt vorsorglich gegen eventuell auftretende Unkräuter zu spritzen, brauche der Landwirt erst im Schadensfall zur Spritze zu greifen. Die Zahl der Giftduschen werde reduziert, der Bauer spare Zeit und Geld. Geerntet wurden die Rüben nun, um deren Ertragsleistung festzustellen. In Labors werden Inhaltstoffe wie Zucker- und Mineralstoffe festgestellt. Der Freilandversuch auf dem 400 Quadratmeter großen Feld soll auch Aufschluß darüber bringen, wie das Monsanto Herbizid eingesetzt werden muß. Pressesprecher Helmut Wagner sagte, daß die Rüben in Uffenheim und Erlach bei Ochsenfurt zwei- bis dreimal gespritzt wurden. Und zwar mit dem Monsanto-Mittel und einem herkömmlichen Herbizid. Die Ergebnisse der Auswertung werden den Ämtern und Instituten zugeleitet, die am Genehmigungsverfahren beteiligt sind. Die Federführung hat das Robert-Koch-Institut in Berlin. Ziel ist, - vom Bundessortenamt die Zulassung des gentechnisch veränderten Saatgutes zu erhalten. Während der Versuchsleiter zufrieden mit dem Erscheinungsbild seines Feldes war, spotteten Gegner des Freilandversuchs über teilweise wuchernde Unkräuter. Die Erklärung des Gentechnikers: An diesen Stellen sei überhaupt kein Spritzmittel ausgebracht worden. Die Rüben, die nicht ins Labor wandern, werden auf dem Acker zerkleinert und eingearbeitet. Um sie zu zerstören, werde eventuell das Konkurrenzprodukt „Basta“ verwendet. Dessen Hersteller arbeitet ebenfalls an gentechnisch veränderten Zuckerrüben. Mit der Ernte ist der Freilandversuch nicht beendet. Er dauert drei Jahre. Die abgeernteten Bereiche der Versuchsfläche werden im kommenden Jahr mit, einer anderen Frucht bestellt. Im dritten Jahr wird Getreide angebaut und beobachtet, ob Rüben aufgehen. Monsanto hat ferner angekündigt, daß an einigen Standorten ein Sortenvergleich mit traditionellem Saatgut durchgeführt werde. Main-Post Nr.202, Mittwoch 3. September 1997