Ernte von genmanipulierten Zuckerrüben nahe Uffenheim Reif für das Labor Aktiongeschah unter Polizeischutz und war von Protest begleitet UFFENHEIM - Für die Ernte von Zuckerrüben ist es eigentlich noch um einige Wochen zu früh, doch auf dem kleinen Acker bei Uffenheim ist vieles anders. Köpfen, anhebeln, ausstechen die Helfer verrichten dort echte Handarbeit wie zu Großvaters Zeiten. Bemerkenswert ist die Szene aber nicht wegen der veralteten Arbeitsmethode, sondern wegen der speziellen Feldfrucht, dem Produkt einer vielgepriesenen wie vielgeschmähten Zukunftstechnologie: Im Gollachgau sind erstmals in Deutschland gentechnisch veränderte Zuckerrüben geerntet worden. Uffenheim ist einer von bundesweit acht Standorten mit Feldversuchen, an denen der US-Chemiekonzern Monsanto herbizidresistente Rüben testet. Schon die Aussaat im Frühjahr geschah unter Polizeischutz, unter dem wachen Auge der Ordnungshüter erfolgte gestern auch die Ernte über 20 Polizeibeamte sicherten das Gelände und vor allem den Eingang des mit Maschendraht umzäunten Ackers. Nur 400 Quadratmeter groß Die Versuchsfläche bei Uffenheim umfaßt nur etwa 400 Quadratmeter. Ende April hatte das Berliner Robert-Koch-Institut als federführende Bundesbehörde das heftig kritisierte Experiment genehmigt. einige Tage später war das von Gegnern vorübergehend besetzte Feld geräumt worden. Statt dessen errichtete der „Aktionskreis gegen genmanipulierte Pflanzen“ in Sichtweite ein kleines Informationszentrum in einer Holzhütte. Nach Darstellung des Monsanto Sprechers Helmut Wagner ließ man den Rübenacker seit der Aussaat Tag und Nacht bewachen. Etwa drei Dutzend Versuchsgegner waren auch gestern zur Stelle und demonstrierten am Rand des Drahtzauns friedlich gegen die Aktion. Auf einem ihrer Transparente stand zu lesen: „Wer keine Skrupel hat, kauft Monsantos Rübensaat“. Unter den hämischen Sticheleien und provozierenden Sprüchen der Demonstranten wurden die genmanipulierten Rüben per Hand geerntet und gewogen. „Ein Teil der Pflanzen wird gehäckselt und in den Boden eingearbeitet“, sagte Wagner. Zehn Stück pro Reihe verpacken Helfer in Säcken, die beschriftet werden und im Labor landen sollen. Dort will man den Zucker und Mineraliengehalt analysieren. Beinahe grotesk Fast schon groteske Züge hat das Geschehen auf dem Acker für den Landtagsabgeordneten von Bündnis 90/Die Grünen, Volker Hartenstein aus Ochsenfurt. Der Parlamentarier befürchtet „daß dies nur der Anfang einer Lawine von Freisetzungsversuchen ist“. Wenn es nicht gelingt, so Hartenstein, die Serie auf dem Gerichtsweg zu stoppen, müsse man den Verbraucher stärker für die Probleme der Gentechnologie sensibilisieren und auf diesem Weg Druck ausüben. Auf den Konsumenten („eine enorme Macht“) setzt auch der Arbeitskreis: „Die Angst der Lebensmittelhersteller, als Genpanscher in Verruf zu kommen, ist gewaltig.“ Das Genehmigungsverfahren für den Feldversuch betrachten die Gegner „als reine Farce“. BILD Monsanto sieht in dem Versuch, der die Zuckerrüben das Totalherbizid „Roundup“ überleben läßt, „keine Gefahr für Mensch und Umwelt“. Das Pflanzenschutzmittel sei zweimal ausgebracht worden, sagte Wagner. Eine unkontrollierte Verbreitung durch Samen oder Pollen sei nicht möglich. Naturschützer warnen dagegen vor einem Artenschwund und unkalkulierbaren Risiko. 1998 soll das auf zwei Jahre angesetzte Experiment fortgeführt werden. Einer der Gegner: „Wir kommen wieder.“ Horst M.Auer FLZ Nr.202, Mittwoch 3. September 1997