Monsanto setzte gestern eine Frist Räumung bis 12 Uhr mittags UFFENHEIM Bis ·heute mittag 12 Uhr soll das Versuchsfeld für genveränderte Rüben geräumt sein. Diese Aufforderung überbrachte gestern der Monsanto-Beauftragte. VON SIGRID VON SCHROETTER Etwa 20 Minuten nach zwölf Uhr übergab Dr. Andreas Thierfelder gestern, flankiert von einem Polizeibeamten, einen Stapel Briefe an die Feldbesetzer, die seit Mittwoch auf der geplanten Versuchsfläche campieren. Mittlerweile waren aus ungeschälten Holzbrettern Wände hochgezogen worden. Eines der drei Meter hohen Teile driickte während des gestrigen Gesprächs der kalte Wind krachend zu Boden. Die mit Adressen versehenen Briefe enthielten die Aufforderung, die Besetzung zu beenden und das Flurstück zu räumen, da es sich um eine rechtswidrige Besitzstörung auf der Versuchsfläche handelt. Was allerdings passiert, wenn die rund 15 Frauen und Männer die F1äche nicht räumen, ließ Thierfelder offen. Die Besetzer meinten, die Briefe wurden sich nur an Besucher richten denen gestern keiner anwesend war und ignorierten die Post. Bereits am vergangenen Freitag war ein Monsant Vertreter zwischen den Zelten erschienen und hatte mit den Feldbesetzern die Lage und die Folgen diskutiert. Bei der gestrigen Übergabe der Briefe, kam es etwa eine Stunde lang zu einer Grundsatzdiskussion über den geplanten Versuch mit Zuckerrüben, die gegen das Monsanto-Herbizid „Roundup" immun sind. Auf die Frage nach der Risikoabschätzung sagte Thierfelder, daß es keine gebe. Er verwies auf das Robert-Koch-Institut, das in den nächsten Tagen den Versuch genehmigen wird oder nicht. Wie bereits berichtet, ist der Vorsitzende des Aktionskreises gegen genmanipulierte Pflanzen, Pfarrer Jürgen Blum zurückgetreten, weil es gegen die Vereinbarung der Mitglieder zur Feldbesetzung gekommen ist. „Sie sind nicht die Mehrheit“, sagte Thierfelder gestern gegenüber den Besetzern und fügte hinzu: „Daß Pfarrer Blum zurückgetreten ist, ist für mich das Signal, daß die Bevölkerung von Uffenheim nichts gegen den Versuch hat." Die Besetzer glauben fest daran, daß sie auf diesem Stück Erde die die Zukunft der Menschheit verteidigen. Dagegen ist für Monsanto klar, daß von der Pflanze selbst keine Gefahr ausgeht, wie Thierfelder nochmals betonte. BILD BU: Schriftlich und mündlich überbrachte der Monsanto-Mann Dr. Andreas Thierfelder (dritter von rechts) gestern auf dem Versuchsfeld in Uffenheim die Aufforderung an die Feldbesetzer, bis heute 12 Uhr mittag die Fläche zu räumen. Main-Post Nr.93, Mittwoch, 23. April 1997