Hochachtung vor Demonstranten Zur Räumung des „Gen-Feldes“ bei Uffenheim. In mehreren Presseveröffentlichungen hat der Chemiemulti Monsanto versichert, keine Zwangsräumung des besetzten Feldes in Uffenheim zu planen. In einem Schreiben vom 24. April 1997 an die bayerische Vorsitzende der Grünen, Ruth Paulig, führte Helmut Wagner (Sprechei des Konzerns) wörtlich aus: „Monsanto hat durch mich erklären lassen, daß wir keine Polizeiaktion anfordern werden... Dies gilt unverändert. „Trotzdem wurde am 6. Mai durch die Polizei geräumt. Daraus ist klar abzuleiten, daß der Konzern die Unwahrheit gesagt hat. Einsatzleiter Jakstat erklärte, daß kein Auftrag zur Räumung vorläge. Dies sei nicht verwunderlich, denn nach Einschätzung der Polizeidirektion Ansbach sah man in der Besetzung eines brachliegenden Ackers keine Straftat. Eine Ansicht, die von mehreren Juristen geteilt wird. Der Einsatzleiter wird sich fragen lassen müssen, mit welcher Kompetenz die Räumung angeordnet wurde. Interessant dürfte auch sein, wie die Kostenandrohung gegenüber den Besetzern von 20 000 Mark begründet wird. In einem Rechtsstaat muß die Polizei zur unmittelbaren Gefahrenabwehr oder nach gerichtlicher Anordnung handeln. Ihre Aufgabe ist es, für die öffentliche Sicherheit und Ordnung zu sorgen. Diese ist am Tag der Räumung ebensowenig gefährdet gewesen, wie auch in den vergangenen Wochen davor. Auch hätten die BesetzerInnen, denen gegenüber ein richterliches Verbot zum Betreten der Versuchsfläche ausgesprochen worden war, das Feld längst geräumt. Mit diesem Polizeieinsatz, der außerhalb der eigentlichen Polizeiaufgaben steht, sind die Polizeibeamten zu Erfüllungsgehilfen wirtschaftlicher Interessen eines amerikanischen Konzerns gemacht worden. Dieser Einsatz wurde von Steuerzahlern und nicht vom milliardenschweren Chemiekonzern Monsanto bezahlt. Bündnis 9O/Die Grünen haben sich mit der Besetzung solidarisiert und sehen in dieser friedlichen Aktion, wie die Polizei auch, keine Straftat. Respekt und Hochachtung verdient die Motivation der meist jungen Besetzer. Künstlich veränderte Nahrungsmittel, deren negative Auswirkungen auf die Gesundheit weitestgehend nicht abgeschätzt werden könnten, werden dem Verbraucher aufgrund einer unbrauchbaren Kennzeichnungspflicht aufgezwungen, dies obwohl die große Mehrheit der Bevölkerung eine klare und eindeutige Kennzeichnung verlangte. In wirtschaftlicher Hinsicht führt die Gentechnik zu einem dramatischen Konzentrationsprozeß, der wenige Arbeitsplätze schafft aber viele vernichtet. Durch die Folgen der Patentierung werden die Bauern zu rechtlosen Subunternehmen degradiert und in eine „technologische Leibeigenschaft“ gezwungen. Die Besetzung war eine deutliche Aufforderung, unsere demokratischen Prinzipien zu verteidigen. Die Besetzer wollten sich von ihren Kindern einmal nicht sagen lassen müssen, sie hätten nicht versucht, der Entwicklung eine menschenwürdige Richtung zu geben. Deshalb sprechen Bündnis 90/Die Griünen den Jugendlichen ihre Hochachtung aus. Die bundesweiten Feldbesetzungen, mit denen sich Bündnis 90/Die Grünen solidarisieren, der Protest in den anderen Ländern der EU und den USA sind ein deutliches Zeichen, daß der Widerstand gegen die Gentechnik im Agrarbereich erst angefangen hat. Deshalb werden die Grünen den Widerstand gegen die Gentechnik weiter mittragen und vorantreiben. Bündnis 90/Die Grünen Uffenheim Friedlicher Protest aggressiv beendet Zur Räumung des „Genfeldes“ bei Uffenheim durch die Polizei am 6. Mai erreichte die TZ folgende Stellungnahme der Besetzerinnen: Am Dienstagmorgen, 6. Mai, befanden sich rund eine Handvoll Menschen auf dem Genacker in Uffenheim, als eine unverhältnismäßig große. Polizeiaktion startete. Zu diesem Zeitpunkt war es einem Großteil der BestzerInnen nicht mehr möglich, das Feld zu betreten, weil ihnen tags zuvor vom Gerichtsvollzieher einstweilige Verfügungen mit enormen Strafandrohungen (bis zu einer halben Million Mark, ersatzweise bis zu einem halben Jahr Gefängnis) zugestellt worden waren. Diese Zustellung wurde von der Firma Monsanto als Druckmittel benutzt, um auf spektakulärere Räumungsaktionen verzichten zu können. Die Räumung des Feldes wurde durch ein aggressives und provozierendes Auftreten der Polizei erreicht. Sie drohte mit 20,000 DM Räumungskosten. Deshalb verließen die BesetzerInnen das Feld. Die Tatsache, daß ein millionenschwerer Konzern wie Mansanto von der Polizei und SEK bei der Aussaat von genmanipuliertem Saatgut geschützt wurde - obwohl rund 80 Prozent der hiesigen Bevölkerung gegen den Versuch ist - veranlaßte die BesetzerInnen zu emotionalen und spontanen Reaktionen. So gab es zum Beispiel eine vorläufige Festnahme. Ein Versuch eines Demonstranten auf das Feld zurückzukehren, wurde von einem auf ihn gehetzten Polizeihund verhindert. Nach zwei Stunden war das Feld geräumt und das genmainipulierte Saatgut ausgebracht. Hiermit endeten drei Wochen friedlichen Widerstandes gegen die gefährliche Gentechnik und den antidemokratischen Konzern Monsanto. Dennoch werden wir weitere Aktionen (Konzerte, Diskussionen, Infoveranstaltungen ect.) von einem gegenüberliegenden Feld starten. Den BesetzerInnen war klar daß sie den weltweiten Vormarsch der Gentechnik nicht aufhalten können, doch wollten sie wenigstens die Aussaat und das extreme Risiko vor ihrer eigenen Haustür nicht zulassen. Wir wollten mit unserer Aktion erreichen, daß den VerbraucherInnen die Gefahren genmanipulierter Lebensmittel bewußt werden und daß Monsanto versucht, unser Land, unsere Zukunft und letztlich unser Leben zu kaufen. Für die gesamten BesetzerInnen; Ekki Sperling Wiebke Hagen Wibke Reins Michael Kaufmann Weikersheim/Uffenheim Tauber-Zeitung, Samstag 10. Mai 1997