Auf Besitz reduziert Vor knapp 14 Jahren hat die Evang.-Luth. Kirche in Deutschland durch Nötigung, Landfriedensbruch und gewaltfreie Besetzungsaktionen von sich reden gemacht. Ich spreche von den Blockadeaktionen gegen US Atomraketen-Stützpunkte im „Heißen Herbst“ 1983. Namhafte Theologen/innen wie Gollwitzer, Sölle, Albertz saßen gewaltfrei vor den Kasernentoren. Ich als gerade anerkannter Kriegsdienstverweigerer übrigens auch. Diese Blockadeaktionen als Ausdruck einer christlich motivierten Gewissensentscheidung für Frieden, Gerechtigkeit und Bewahrung der Schöpfung wurden schon damals auf den Nebenkriegsschauplatz einer Verletzung von Besitzverhältnissen reduziert. Heute, beim Protest-Camp in Uffenheim, scheint sich dies zu wiederholen. Die rechtlichen Konsequenzen unangemeldeten Feldbesetzung scheinen wichtiger als die drohende Genmanipulation zu sein. Pfarrer Blum als Kirchenvertreter hat das Protest-Camp im Umkehrschluß als unfriedlich bezeichnet und sich mit anderen distanziert. Als Amtsträger derselben Kirche erkläre ich dagegen, daß ich solche Besetzungsaktionen auch in Zukunft für begrüßenswerte Mittel des gewaltfreien Widerstands gegen jegliche Bedrohung von Gottes Schöpfung halte. Stefan Koch, Diakon der Evang.-Luth. Kirche in Bayern, Stadtrat Bündnis 90/Die Grünen Bismarckstr. 35, Neustadt Verantwortungsvoll Zum Kommentar am 23. April: Wer urteilt den hier nach Weizen und Spreu? Geht es Ihnen denn überhaupt noch um die Sache? Hier engagieren sich aktive Bürger und mutige Jugendliche, denen es um ihre Zukunft geht. Bisher ist besonnen umgegangen worden, mit den engagierten jungen Leuten, die kein materielles Interesse bei diesen kalten Nächten auf dem Acker campieren läßt, sondern nur ihr Wunsch, nicht tatenlos zuzusehen, wenn vielleicht die Weichen gestellt werden für eine Zukunft der Saatgutveränderung, die ihnen Angst macht, weil die Folgen nicht einzuschätzen sind. Also hier ist sie doch, die verantwortungsvolle Jugend. Vielleicht wäre später so manch anderer gern mit auf dem Foto gewesen, das Uwe Kekeritz angelastet wird. Wieso identifiziert sich der Bauernverband eigentlich mit dem Großkonzern Monsanto, der nur materielle Interessen vertritt, anstatt mit im Landkreis heimischen Naturschützern und Aktiven im Aktionskreis, denen es um einen veranwortungsvollen Umgang mit der Natur geht? Ist das denn kein Thema, das uns alle angeht? Christine Wolf-Mutzke Am Thalersberg 4, Reinhardshofen „Argumente anhören“ Nach Gesprächen mit den meist jungen wahlberechtigten Erwachsenen auf dem Rübenacker kann ich dem Kommentator mitteilen, daß es sich um politisch denkende, moralisch motivierte Menschen handelt, die genau überlegt haben, warum und wie sie diese Besetzung durchführen und welche Verantwortung sie damit auf Sich nehmen. Sie sehen sich in der Tradition des absolut gewaltfreien Widerstandes. Sie als Spreu, also Abfall und politisch manipulierte „Posten“ zu bezeichnen und in die Nähe von Brandstiftern zu rücken, halte ich für verantwortungslosen, effekthaschenden Bildzeitungstil Uwe Kekeritz in den Verdacht der „Anstiftung“ zu bringen, ist wohl beabsichtigter Rufmord. Statt die Besetzer zu diffamieren, indem der Kommentator sie fahrlässig „mutmaßenderweise“ in die Ecke von Terror und Gewalt stellt, wäre es besser, wenn er sich ihre Argumente anhören würde. Im Gegensatz zu seinen Kollegen z. B. von der Süddeutschen Zeitung war er nicht einmal selbst dort gewesen. Das hätte ich auch von einem Pfarrer erwartet - statt in die gleiche Kerbe zu schlagen. Um eine Gesellschaft ist es schlecht bestellt, in der ziviler Ungehorsam nicht möglich ist. Ansonsten ist es mir egal, ob der Bauernverband mit Herrn Kekeritz spricht oder nicht; letztlich müssen wir die manipulierten, nitrathaltigen, antibiotikaverseuchten, tiermehlgefütterten Produkte dann essen. Karin Gerstenmayer Walddachsbach 15 1/2, Dietersheim „Weiter so“ Sie bezeichnen nicht nur Herrn Kekeritz als Spreu, sondern auch die Mitglieder von all den anderen Parteien und Gruppierungen. Mit „Mutmaßungen, die man immer öfters hört“ (von wem wohl - wird's dadurch wahr?) diffamieren sie den gesamten Aktionskreis, insbesondere Herrn Uwe Kekeritz. Die Drohbriefe in diesen Zusammenhang zu setzen ist lächerlich, genauso könnte ich behaupten, sie wären auf Initiative von Monsanto entstanden (diese Mutmaßung „hört“ man auch immer öfters). Ich habe Herrn Kekeritz in der Diskussionsveranstaltung als tolerant und konstruktiv erlebt. Auch stellt sich Herr Kekeritz der Diskussion und dreht nicht ab ins Schmolleck wie die Herren Trabert, Blum und Barz. Daß er als unbequemer, nachfragender Diskussionspartner dem Bauernverband kein Gesprächspartner ist, spricht eher für ihn. Wenn der Bauernverband schon mit dem Begriff Hafenstraße Stimmung machen will, ist es wohl Pflicht, so etwas auch in die Öffentlichkeit zu tragen. Daß Herr Kekeritz im Gegensatz zu den Herren Blum, Trabert und Barz den Mut besitzt, zu der Besetzung zu stehen, ist ihm hoch anzurechnen. Weiter so, Herr Kekeritz! Dieter Vatter Walddachsbach 15 1/2, Dietersheim Nicht der richtige Vergleich Herr Munzinger äußert in diesem Kommentar seine eigene Meinung. Das ist auch der Sinn eines Kommentars. Aber ist es nicht ziemlich überzogen, wenn die ehemaligen und aktuellen Mitglieder im „Aktionskreis gegen genmanipulierte Pflanzen“ in die Kategorien „gut“ oder „böse“ eingeordnet werden? Ich möchte den Vergleich mit Spreu und Weizen in bezug auf den Aktionskreis nicht angewendet wissen. Es ist nicht der richtige Vergleich, so über die Gesinnung von Menschen zu urteilen. Wie geht es mit meiner Arbeit weiter? Diese Frage wird zwischen den Zeilen gestellt. Ich werde mich nach wie vor als Umweltbeauftragter der evangelischen Kirche im Kirchenkreis Ansbach-Würzburg ganz energisch gegen die geplanten Freisetzungsversuche mit genmanipulierten Zuckerrüben und gegen den Einsatz von gentechnisch veränderten Nahrungsmitteln aussprechen. Aber ich lasse mich als Umweltbeauftragter der evangelischen Kirche weder von Firmen, noch von Parteien und Verbänden für deren Zwecke vereinnahmen. Pfarrer Jürgen Blum Kirchstraße 1, Lipprichhausen Welche Einstellung? Ihre Vermutungen sind genauso falsch wie die Aussage, daß Herr Trabert Vorstandsmitglied des Aktionskreises war. Die Behauptung, daß Mitglieder des AKU, des SPD-Ortsvereins, der ODP, der Grünen, der Jusos, des LBV, des BN, des JBN und Bauern im Aktionskreis nur die Spreu sind und die Kirche der Weizen, ist eine Unverschämtheit. Welche Einstellung haben Sie zu unserer Gesellschaft? Sie kann nicht besonders attraktiv sein. Es war und bleibt unbestritten die Aufgabe des Aktionskreises, mit absoluter Gewaltfreiheit gegen den Freisetzungsversuch anzukämpfen sowie die Bevölkerung in der Sache genmanipulierter Pflanzen zu informieren. Dietmar Rückert Geckenheim 4, 97215 Weigenheim Mitglied im Aktionskreis gegen genmanipulierte Pflanzen und im AKU Uffenheim Bewahrung der Schöpfung Mitglieder der Partei mit dem „C“ im Namen sollten - nach meiner Meinung - verpflichtet sein, sich für die Bewahrung der Schöpfung einzusetzen und Andersdenkende nicht diffamieren. Dem Kommentator sowie den Herren Geißendörfer und Illoiber genügten Vermutungen, um Mitglieder des „Aktionskreises gegen genmanipulierte Pflanzen“, insbesondere der „Grünen“, zu verleumden, ihnen kriminelle Handlungen zu unterstellen. Ich habe vor Ort mit den Besetzern des zur Aussaat von genmanipulierten Zuckerrübenpflanzen vorgesehenen Feldes gesprochen. Es sind friedliche junge Leute, durchaus zu eigenen Initiativen und eigenen Meinungen fähig. Man muß ihnen ihre Ängste glauben, ihre Motive verstehen. Auch Mitglieder der C-Parteien sollten zugeben können, daß gerade Angehörige „Grüner“ Parteien, sich mutig für die Belange der Umwelt und die Gesundheit der Bürger einsetzen. Über die Bezeichnung „Spreu“ habe ich mich nicht geärgert, weil ich weiß, daß auch Spreu einen sinnvollen Wert hat: Für die Äcker wäre sie besser als Gift, für die Tiere im Stall gesünder als Roste. Gertrud Anton, Mitglied des Aktionskreises gegen genmanipulierte Pflanzen und Mitglied der SPD. Sprachrohr von Monsanto? Die Freisetzung genmanipulierter Zuckerrüben bewegt viele, die sich mit dieser Thematik auseinandersetzen. Ängste und Zweifel sind angebracht, müssen artikuliert und ernst genommen werden. Richtig: es ist nicht bewiesen, ob genmanipulierte Zuckerrüben in der Nahrung uns schädigen werden. Aber es ist auch nicht ihre Unschädlichkeit bewiesen. Wer angesichts dieser Problematik unreflektiert und unrecherchiert die Beweggründe des Aktionskreises konterkariert und Hypothesen als Fakten verkauft, der will öffentlich diffamieren, bewußt Keile setzen und beweist sein (Miß?-)Verständnis von Demokratie und Pluralität in unserer Gesellschaft. So sind Herrn Munzingers Kommentar vom „Spreu“ und „Weizen“ ein Pamphlet und die Äußerungen der CSU-Stadträte Geißendörfer und Kloiber übelste Unterstellungen. Es wird und muß noch andere Meinungen als die des Konzerns Monsanto und der CSU geben, zumal tausende Unterschriften gegen den Freisetzungsversuch deutliche Meinungsmehrheiten signalisieren! Schade, Herr Bürgermeister Schöck, von Ihnen hatte ich mehr kritische Distanz erwartet! Wolf Hahn Langensteinacher Straße 2, Uffenheim „Gewalt von Moasanto“ Die Unterscheidung von Spreu und Weizen angewandt auf Gegner der Gentechnik im Nahrungsmittelbereich dient nur dazu, Zwietracht zu säen und das eigentliche Problem zu verdrängen. Die Feldbesetzer sind konsequenter in ihrer Haltung als viele, die die Dinge laufen lassen und abwarten, oder aus dieser Auseinandersetzung Kapital schlagen. Mir gefällt es nicht, wie nun auch die Kirche instrumentalisiert wird für eigene Interessen. Wenn es an sachlichen Argumenten für den Freisetzungsversuch fehlt, sollte man ihn sein lassen. Immerhin geht es um die Zukunft der jungen Generation, der man wie der Mehrheit der Verbraucher überhaupt kein Mitspracherecht einräumt. Gewalt geht von der sturen Vorgehensweise der Firma Monsanto aus, die gegenüber den Besetzern offensichtlich nur die Sprache der Drohung und Einschüchterung kennt. Das Vorgehen mag zwar rechtens sein, ethisch zu rechtfertigen ist es nur schwerlich. Da werden unter Ausschluß der Öffentlichkeit Experimente gemacht. Erst mit den Feldversuchen wird zögerlich infarmiert. Es gibt keine überzeugenden Gründe, warum herbizidresistente Zuckerrüben für die menschliche Ernährung gut sein sollen. Risiken werden heruntergespielt, Sorgen nicht ernstgenommen. All das trägt nicht zur Glaubwürdigkeit des Großkonzerns bei. So macht mir das ethische Verhalten der Firma Monsanto mehr Kopfzerbrechen als die friedliche Besetzung des Versuchsfeldes. Hans Gernert Langensteinach 43, Uffenheim FLZ Nr.98, Dienstag 29. April 1997