Robert-Koch-Institut genehmigt Freisetzungsversuch Grünes Licht für die Genrüben bei Uffenheim Stimmungslage im Camp der Besetzer ist gespalten UFFENHEIM (ml/epd) - Der Chemiekonzern Monsanto darf seine gentechnisch veränderten Zuckerrüben in Uffenheim und an sieben weiteren Standorten in Deutschland aussetzen. Der Freilandversuch kann am 2. Mai beginnen und muß bis zum Ende der Vegetationsperiode 1999 abgeschlossen sein. Die Genehmigung des Versuchs wird heute in den Regionalzeitungen, in deren Verbreitungsgebieten die Versuchsfelder liegen, bekanntgemacht. Die Anzeige des Berliner Robert-Koch-Instituts ist auch In der heutigen Ausgabe der FLZ enthalten. Der Pressesprecher der Genehmigungsbehörde, Edgar Muschketat, betonte, das Robert-Koch-Institut habe festzustellen gehabt, ob Gefahren für Menschen, Tiere und Umwelt „nach aktuellem Stand der Wissenschaft zu erwarten sind“ Den umstrittenen Zuckerrüben wurden drei Gene implantiert, die sie resistent gegen das Pflanzenschutzmittel „Round up“ machen sollen. Hersteller dieses weitverbreiteten Unkrautvernichters ist Antragsteller Monsanto. Bisher waren Zuckerrübenfelder für das Chemieunternehmen kein Markt, denn mit den ungeliebten Wildkräutern sterben bei Round-up-Behandlung auch die Rübenpflanzen. In den Labors des amerikanischen Agrochemieunternehmens wurden deshalb in Bodenbakterien, denen eine Behandlung mit „Round up“ nichts ausmacht, die dafür verantwortlichen Teile der Erbmasse gesucht, isoliert und in Zuckerrüben verpflanzt. Während Befürworter des Versuchs den Nutzen für den Landwirte betonen und darauf verweisen, daß „Round up“ ein im Vergleich zu anderen im Rübenanbau verwendeten Pflanzenschutzmitteln in der Summe weniger umweltbelastendes Produkt sei, machen vor allem Umweltverbände gegen die Genrüben mobil: Es würde ein hemmungsloser Einsatz von Pflanzenschutzmitteln drohen, die Gene könnten auf andere Pflanzen übertragen werden. Außerdem, so die Gegner, seien Allergien oder Resistenzen von Krankheitserregern nicht auszuschließen. 15000 Unterschriften wurden an den acht Standorten in Bayern, Niedersachsen und Mecklenburg-Vorpommern gesammelt. Nach Angaben des Aktionskreises gegen genmanipulierte Pflanzen im Uffenheimer Raum davon 5000. Seit fast zwei Wochen haben vor allem jüngere Leute das Feld mit der Schlagbezeichnung "Galgengründlein“ besetzt - eine Aktion, die bei den Gegnern des Freisetzungsversuchs nicht unumstritten ist. Nach dem Rücktritt des bisherigen Vorsitzenden, Pfarrer Jürgen Blum, hat deshalb auch der Arbeitskreis Umwelt der Evangelischen Landjugend den Aktionskreis verlassen. Seitdem die Anwälte des Chemie-Unternehmens den Besetzern am Wochenende unmißverständlich deutlich gemacht haben, daß man sie zur Kasse bitten wolle, wenn sie sich nicht bis heute um 10 Uhr dazu verpflichten, jedes weitere Betreten des Grundstücks zu unterlassen, ist die Stimmung im Camp gespalten: Während ein Teil der Besetzer gestern nachmittag erklärte, man werde weiter ausharren, fürchten andere die möglichen finanziellen Folgen: Die Unternehmens-Anwälte wollen von jedem, der die Unterlassungserklärung nicht unterzeichnet, 5000 Mark Vertragsstrafe. Gegenüber dem Evangelischen Pressedienst (epd) erklärte Monsanto Versuchsleiter Dr. Andreas Thierfelder, man werde auf keines der beantragten Felder verzichten. Die Aussaat solle der zuständigen Regierung von Unterfranken angezeigt werden, sobald die Genehmigung vorliege. Der Aktionskreis gegen genmanipulierte Pflanzen will heute über das weitere Vorgehen beraten. Der Sprecher der Initiative, Uwe Kekeritz, beklagte gestern eine kritiklose Unterstützung der Großkonzerne durch das Robert-Koch-Institut. Der Feldbesetzung selbst wolle man sich nicht anschließen, sagte Kekeritz epd, aber der Widerstand habe viele Formen. Der Genehmigungsbescheid und seine Begründung liegen ab Mittwoch bis einschließlich 13. Mai im Uffenheimer Rathaus öffentlich aus. FLZ Nr.98, Dienstag 29. April 1997