Knöcheltief im Uffenheimer Ackerschlamm Genrüben-Gegner wollen ausharren UFFENHEIM Warten auf die Räumung: Gestern hätten die Uffenheimer Feldbesetzer das GenrübenVersuchsgelände verlassen sollen. VON GISELA RAUCH Ausgerechnet an dem Tag, an dem erstmals Fernsehteams anrücken, um das kleine Häuflein von Feldbesetzern weit draußen vor den Toren Uffenheims zu filmen, zieht ein Unwetter auf. Dunkle Wolken ballen sich über den Äckern, und der Wind zerrt an den Zelten, die die Besetzer aufgestellt haben. Es regnet. Und während die Feldbesetzer vor dem Regen ans Lagerfeuer flüchten, waten die Kameraleute auf der Suche nach der besten Perspektive knöcheltief im Ackerschlamm. Die Kamera erfaßt die selbstgemalte Fahne, die die Besetzer gehißt haben, schwenkt über ein farbiges Plakat mit der Aufschrift „Die Erde braucht uns nicht, aber wir brauchen die Erde“ und holt die Besetzer nahe ran: Zwanzig Leute aus Uffenheim und Umgebung, einige Schüler oder Studenten, Zivildienstleistende, zwei ältere Frauen, denen man die Tage im Zelt und die Nächte im Kleinbus - ansieht: Schon seit knapp zwei Wochen campiert die Gruppe auf dem Acker, um damit gegen den vom Konzern Monsanto geplanten und mittlerweile genehmigten Genrüben-Versuch (siehe auch Bericht auf Seite 1) zu protestieren. „Genfeld. Ecki am Apparat“, spricht einer der jugendlichen Besetzer ins Handy. Am Telefon erklärt er einem Pressevertreter, warum er gegen Genrüben ist: „Dieser Eingriff in die Natur verstößt gegen Gottes Schöpfung.“ Ecki ist übrigens Zivildienstleistender im Erziehungsurlaub. Seine Frau und das vielleicht zwei Monate alte Baby namens Rachel sind auch im Zelt zumindest tagsüber. Der Säugling schlummert, während ringsum gekocht - „nur vegetarisch, wir essen hier kein totes Tier“ -, gegessen und geredet wird. Auch Friedrich Lauterbach, ein junger Ingenieur, beantwortet die Pressefragen nach dem Grund des Protests. „Eine Risikoabschätzung dessen, was die Genrüben im Ökosystem bewirken können, ist definitiv nicht möglich“, sagt er. So verschieden Begründungen für den Protest sind - in ihrer Absicht, so lange wie möglich auf dem Monsanto-Feld ausharren zu wollen, sind sich die Besetzer einig. Obwohl die Mehrzahl der Uffenheimer gegen den Gentechnik-Versuch vor ihrer Haustür ist, sich viele Ortsbürger auch zu einem "Aktionskreis gegen genmanipulierte Pflanzen“ zusammengefunden haben, ist der aktive Widerstand der Besetzergruppe im Ort selbst nicht auf Zustimmung gestoßen. Weil er der Ansicht war, der Aktionskreis habe sich nicht deutlich von der Feldbesetzung distanziert, hat etwa der bisherige Aktionskreis-vorsitzende , Pfarrer Jürgen Blum, sein Amt niedergelegt. Die internen Querelen über die richtige Form des Widerstandes dauern, so hört man, an. Es geht gegen zwölf Uhr. Die Kameraleute werden ungeduldig. Für zehn Uhr waren die Feldbesetzer von Monsanto zur Räumung aufgefordert worden. Und was ist passiert? Nichts. Polizei ist nicht aufgetaucht, Konzernvertreter haben sich nicht sehen lassen. Aber Monsanto setzt nicht auf spektakuläre Aktionen. Man habe Rechtliche Schritte eingeleitet, teilt ein Sprecher sachlich mit, richterliche Weisungen würden abgewartet. BILD BU: Das Ultimatum verstrich bislang ohne Folgen: Noch ist der für den Test-Anbau von Genrüben vorgesehene Acker bei Uffenheim besetzt. Main-Post Nr.99, Mittwoch 30. April 1997