BILD Der Konzern Monsanto begann gestern mit der Aussaat herbizid-resistenter Pflanzen Genrüben-Feld von Polizei geräumt UFFENHEIM (GRR/DPA) In den Parteien wird das Thema Genmanipulation unterschiedlich beurteilt. Die Feldbesetzung von Uffenheim (Landkreis Neustadt/Aisch/ Bad Windsheim) ist gestern mit einer gewaltfreien Räumungsaktion der Polizei zu Ende gegangen. Rund 25 Beamte, begleitet von zwei Polizeihunden, forderten gegen 12 Uhr die 20 zumeist jugendlichen Besetzer, die knapp drei Wochen lang in Hütten und Zelten auf dem ausgewiesenen Versuchsfeld kampiert hatten, zum Verlassen des Ackers auf. Durch die Feldbesetzung hatten die jungen Leute die Aussaat von genmanipulierten Zuckerrüben den US-Konzern Monsanto verhindern wollen. In der vergangenen Woche erwirkte Monsanto einstweilige Verfügungen gegen die Besetzer. Noch vor wenigen Tagen hatte Monsanto Deutschland gegenüber der Deutschen Presseagentur erklärt, daß der Konzern eine Räumung ablehne. Die Grünen im Bayerischen Landtag haben die Räumung des Feldes unterdessen als „unverhältnismäßige Aktion“ bezeichnet. Es werde so getan, als seien die jugendlichen Besetzer mit Staatsfeinden gleichzusetzen. Dabei hätten die Uffenheimer GenrübenGegner lediglich ihre Bedenken gegenüber genmanipulierten Pflanzen ausdrücken wollen, erklären die Grünen. Sie fordern generell den Verzicht auf die Freisetzung genmanipulierter Pflanzen. Für gezielte Freilandversuche genmanipulierter Pflanzen im Rahmen von Genehmigungsverfahren tritt hingegen die CSU-Landtagsfraktion ein. Dies erklärte auf Anfrage der CSU-Referent für Umwelt und Gentechnik, Eugen Turi. Die SPD-Landtagsfraktion hat Pressesprecher Berthold Merkel zufolge das Thema „genmanipulierte Rüben“ bislang nicht ausdiskutiert. Innerhalb der Fraktion gebe es sowohl Befürworter wie auch Gegner von Genpflanzen, so Merkel. Die Räumung des Uffenheimer Feldes indes lehne man eindeutig ab. Während gestern auf dem klein Versuchsfeld bei Uffenheim die Aussaat von Genrüben begonnen hat, wurden im niederbayrischen Oberviehhausen erstmals gentechnisch veränderte Kartoffeln ausgesät. Gleichzeitig wurde bekannt, daß unbekannte Täter bei Meißen ein Versuchsfeld mit genmanipuliertem Raps zerstört haben, indem sie das 2000 quadratmeter große Feld abmähten. Zum Thema Gentechnik hat sich auch Bundeskanzler Helmut Kohl geäußert. In einem Interview mit Firmenzeitung des Konzerns Hoechst nannte Kohl die Neugründung dreier Gentherapie-Firmen eine „höchst erfreuliche Entwicklung“. Kohl gab der Meinung Ausdruck, daß es in Deutschland gegenüber der Biotechnologie „keine übersteigerte Skepsis“ gebe. BU: Die Feldbesetzung vor den Toren Uffenheims (Lkr. Neustadt/Aisch/Bad Windsheim) ist gestern gegen Mittag mit einer Raumungsaktion der Polizei zu Ende gegangen. Vom Ackerrand uus beobachteten die rund zwanzig vertriebenen Feldbesetzer und zohlreiche Bürger aus dem Ort die Aussaat der Genrüben. Foto Schwarzott Main-Post Nr.105, Mittwoch 7. Mai 1997