Genfeld-Gegner sollen auf Blockierung verzichten Aber: Trotz Monsanto-Ultimatum "bleiben wir solange wie möglich" Von unserem Mitarbeiter Holger Schönbein UFFENHEIM. "Genfeld", mittlerweile ein Reizwort in dem kleinen Gaustädchen Uffenheim. Noch immer ist das für einen Freilandversuch . mit gentechnisch veränderten Zuckerrüben vorgesehene Feld am Ortsrand von meist jugendlichen Gegnern besetzt. "Wir bleiben, solange es möglich ist", sagen die Demonstranten. Pächter des umstrittenen Ackers ist der Chemieriese Monsanto, der das Areal für drei Jahre von einem ortsansässigen Bauern übernommen hat. Monsanto hat sich nach einem mittlerweile verstrichenen Räumungs-Ultimatum nun mit einem neuen rechtlichen Schritt an die Besetzer gewandt. Sie sollen eine Unterlassungserklärung unterschreiben, nach der sie auf eine weitere Blockierung verzichten. Gestern erklärten die Demonstanten im Vor-Ort-Gespräch mit der TAUBER-ZEITUNG: "Wir unterschreiben nicht!" Auf die Frage, warum sie denn nicht auf einem benachbarten Feld ihre Zelte errichten, antworteten einige: Das hätte man zwar am Anfang vorgehabt, man wäre dann aber spontan davon abgekommen. Zum einen wollte man Aufmerksamkeit erlangen, da gentechnisch veränderte Nahrung jeden angehe. Zum anderen "kann man nur dort die Aussaatverhindern". Die Widerständler, die bereits seit dem 16. April auf dem Acker campen, ließen mittlerweile das Ultimatum der Firma Monsanto, das bis vergangenen Mittwoch lief, und indem sich der Chemie-Konzern weitere Schritte vorbehielt, verstreichen. Vorwürfen der Jugendlichen, die Briefe seien von dem Versuchsleiter der Firma Monsanto, Dr. Andreas Thierfelder, nicht ordnungsgemäß zugestellt worden ("entweder die Adressaten waren nicht da, oder nicht zuständig"), trat dieser entgegen. Es genüge, die Briefe allen zugänglich zu machen, dabei ist nicht entscheidend, ob nun die Adressaten verantwortlich sind oder nicht", so Thierfelder. Den nächsten Schritt wird er heute unternehmen. Um 11.15 Uhr wird er den Jugendlichen ein anwaltliches Schreiben übergeben. Es enthält die Unterlassungserklärung, die von den Jugendlichen innerhalb einer bestimmten Frist unterschrieben zurückgegeben werden soll. Hierin sollen die Besetzer sich damit einverstanden erklären, "die widerrechtliche Besetzung zu beenden und von einer neuerlichen Besetzung abzusehen". Monsanto beabsichtigt nach Ansicht der Jugendlichen momentan keine Räumungsklage anzustrengen, was die Grundvoraussetzung für eine Räumung wäre. Wird aber die Aussaat von seiten des Robert-Koch-Instituts genehmigt, will Monsanto noch am selben Tag die Aussaat anzeigen. Das Institut ist für die Prüfung solcher Gen-Projekte zuständig. Nach einer Frist, die vor Beginn eines Freisetzungsversuches obligatorisch sei, werde man "unweigerlich mit dem Sähen beginnen", sagte Thierfelder der TAUBER-ZEITUNG. Die Polizei machte unterdessen ihre Ankündigung wahr, die Aktivitäten im Besetzer-Camp genau im Auge zu behalten und. filmte aus einem zivilen Jeep Fahrzeuge, welche an den Rändern des Versuchsfeldes geparkt waren. Die Besetzer wiesen darauf hin, daß sie keine parteipolitischen Gründe für ihre Aktion hätten. "Jeder hat eine andere Motivation, einige von uns haben einen religiösen Hintergrund, andere sind einfach nur in Sorge um ihre Zukunft und ihre Heimat, die von einem Weltkonzern bestimmt werden könnte". Tauber-Zeitung, Samstag 26. April 1997