Berlin gibt freie Bahn für·genmanipulierte Zuckerrüben Feldversuche erlaubt Bürgerinitiative kritisiert Institut - Artenschwund befürchtet UFFENNEIM (epd/dpa) - Der Agrochemiekonzern Monsanto hat freie Bahn für seine Feldversuche mit genmanipulierten Zuckerrüben: Das Berliner Robert-Koch-Institut als federführende Bundesbehörde hat die heftig umstrittenen Experimente an acht Standorten in Deutschland genehmigt. Monsanto hatte vor rund drei Monaten einen entsprechenden Antrag gestellt. Mit der Entscheidung aus Berlin hat die US-Firma nun in ihrer Auffassung recht bekommen, daß von der Freisetzung genveränderter Rübensaat kein Risiko für Mensch und Umwelt ausgehe. In Bayern will Monsanto die Gen-Zuckerrüben - wie mehrfach berichtet - auf Feldern bei Uffenheim und Ochsenfurt-Erlach aussäen. Auf dem Uffenheimer Versuchsacker hatten sich vor zwei Wochen Jugendliche aus der Umgebung niedergelassen. Die Feldbesetzer haben ein Zeltlager errichtet. Gentechnik ist nach ihrer. Überzeugung „ein Verbrechen gegen die Schöpfung und gegen Gott“. „Wir räumen den Acker nicht“, versicherte ein Sprecher der Gruppe. Nach einem ersten nicht eingehaltenen Ultimatum hat Monsanto die jungen Leute erneut aufgefordert, das Gelände zu räumen, und zwar bis zum heutigen Dienstag um zehn Uhr. Weitere Protestaktionen Die Uffenheimer Bürgerinitiative gegen die Freisetzung genmanipulierter Pflanzen will über neue Protestaktionen beraten. Der Feldbesetzung wolle sie sich jedoch nicht anschließen, sagte ihr Sprecher Uwe Kekeritz. Der Aktionskreis habe „die Genehmigung zur Kenntnis genommen“. Die Projektgegner hätten auch nichts anderes erwartet, denn Berlin habe bislang jeden Versuch genehmigt. „Die Großkonzerne“, so Kekeritz „können sich der Unterstützung des Instituts sicher sein“. Gegen den Freisetzungsversuch waren bei der Berliner Behörde rund 15 000 Unterschriften aus ganz Deutschland eingegangen, darunter zahlreiche ausführlich begründete Einzeleinwendungen. Man habe die Bedenken aus der Bevölkerung sehr ernstgenommen und gründlich geprüft, betonte eine Sprecherin des Robert-Koch-Instituts. Die Entscheidung sei im Einvernehmen mit dem Umweltbundesamt und der Biologischen Bundesanstalt erfolgt. Allein gegen den Uffenheimer Freilandversuch haben sich mehr als 5000 Menschen ausgesprochen. Viele wissenschaftlich fundierte Einwendungen und „Beweise, daß das Mittel ,Roundup' trinkwasserbelastend ist“, sind laut Kekeritz nicht berücksichtigt worden. Auf drei Jahre befristet Mit den auf drei Jahre befristeten Tests will Monsanto erreichen, daß sein Totalherbizid Roundup - das weltweit meistverkaufte Unkrautvernichtungsmittel - künftig auch im Zuckerrübenanbau eingesetzt werden kann. Deshalb wurde in das Erbgut von Zuckerrüben die Erbinformation eines Kleinstlebewesens eingeschleust, das die Rüben die Spritzung mit Roundup überleben läßt, während ringsum alles abstirbt, was grün ist. Im Gesamtergebnis, so Monsanto, sei dieses Verfahren umweltfreundlicher als die bisher üblichen mehrfachen Behandlungen mit anderen Herbiziden. Naturschützer fürchten dagegen, daß mit Roundup behandelte Felder zu extremen Monokulturen werden und die sowieso schon dezimierte Begleitflora vollends ausgerottet wird. „Das Artensterben wird neue Dimensionen erreichen“, prophezeit der Bund Naturschutz in Bayern. In anderen europäischen Ländern hat Monsanto nach eigenen Angaben seine „Roundup-Ready-Zuckerrübe“ schon seit 1992 in 35 Feldversuchen freigesetzt. Für den europäischen Markt entwickelt der in St. Louis/USA ansässige Konzern derzeit auch Genmais und Genraps. BILD BU: Mit Transparenten und Plakaten zogen Projektgegner vor vier Wochen bei Uffenheim gegen das Vorhaben zu Feld. Foto:AP FLZ Nr.98, Dienstag 29. April 1997