Monsanto ließ die Besetzer des Genrüben-Versuchsfeldes über einen Anwalt zur sofortigen Räumung auffordern Die Galgenfrist am "Galgengründlein“ läuft ab 5000 Mark Strafe angedroht - Versuchsleiter übergab Briefe im Camp - Besonnene Kräfte mahnten, Eskalation zu vermeiden UFFENHEIM (kls) - Die Firma Monsanto verstärkt ihren juristischen Druck auf die Besetzer des für die Genrübenversuche vorgesehenen Felds. Nachdem das Ultimatum zur Räumung, das am Mittwoch um 12 Uhr ablief, nicht befolgt wurde, bekamen die Besetzer per Einschreiben eine Aufforderung durch einen Rechtsanwalt. Um dem Nachdruck zu verleihen, überreichte Versuchsleiter Dr. Andreas Thierfelder am Samstag mittag einen Karton mit den Zweitausfertigungen der Anwaltsbriefe im Camp. Der Anwalt fordert die Besetzer auf, das Grundstück mit der Schlagbezeichnung "Galgengründlein“ unverzüglich zu räumen und das weitere Betreten zu unterlassen. Beigefügt erhielt jeder der Adressaten eine vorbereitete "strafbewehrte Unterlassungsverpflichtungserklärung". Zu deren Abgabe wurde Frist bis Dienstag, 10 Uhr, gesetzt. Erfolgt dies nicht, so wird eine Vertragsstrafe von 5000 Mark fällig, und zwar für jeden einzelnen, der die Erklärung nicht abgibt. Sollte die Räumung des Felds unterbleiben, dann wird Monsanto Gericht und Behörden einschalten. Bereits vor dem Besuch von Dr. Thierfelder wurde im Camp einer der bereits mit der Post zugestellten Anwaltsbriefe verlesen. Gerätselt wurde darüber, auf welchem Weg der Anwalt von Monsanto an die Adressen gekommen war. Diskutiert wurde, wie man sich nun, da sich die Lage ernsthaft zuspitzte, weiter verhalten solle. Auch in der Runde wurde auf juristische Konsequenzen und vor allem mögliche erhebliche finanzielle Schadensersatzforderungen von Monsanto hingewiesen. Außerdem empfahlen einige Anwesende, sich keinesfalls auf eine Polizeiaktion einzulassen, die der Sache sehr schaden würde, sondern das Feld freiwillig zu räumen und eventuell in der Nachbarschaft eine Mahnwache zu errichten. Die Atmosphäre bei der Übergabe der Schreiben durch Dr. Thierfelder war überwiegend ruhig und sachlich. Auch Mitglieder des Aktionskreises und der Grünen, sowie der amtierende Leiter der Polizeistation Uffenheim, Johannes Hamacher, waren zugegen. Der Besitzer des Versuchsfelds, Dieter Gräf, hielt sich im Hintergrund. Er saß in einem Auto auf dem Weg am Eingang zum Camp und beobachtete das Geschehen durch das geöffnete Fenster. Er war bemüht, sich auf keine Diskussion einzulassen, obwohl er mehrfach von Feldbesetzern angesprochen wurde. Dr. Thierfelder betonte gegenüber den Anwesenden noch einmal, daß Monsanto alles daransetzen werde, den Versuch mit den genveränderten Rüben durchzuführen. BILD Dennoch erklärte er sich bereit, weitere sachliche Diskussionen zu führen - aber nicht auf dem Feld. Im Camp (wo gestern zunehmender "Personalmangel“ beklagt wurde) gibt es nun geteilte Meinungen. Einige Besetzer wollen unbedingt bleiben. Andere haben doch ernste Bedenken wegen Schadensersatzforderungen, denen sie nicht gewachsen wären. Die Gruppe läßt sich von zwei Anwälten über rechtliche Konsequenzen beraten und will am heutigen Montag im Plenum endgültig entscheiden. BU: Die letzte Aufforderung zum Räumen: Versuchsleiter Dr. Andreas Thierfelder (links) von der Firma Monsanto Deutschland übergab am Samstag mittag im Camp auf dem vorgesehenen Versuchsfeld für genveränderte Zuckerrüben einen Karton mit Anwaltsbriefen an die Besetzer. Foto: Stäck FLZ Nr.97, Montag 28. April 1997