Zahlreiche kritische Augen beobachteten gestern am frühen Nachmittag auf dem Versuchsfeld vor den Toren Uffenheims eine „Premiere“ - Sachliche Gespräche Die erste Genrübenernte in ganz Deutschland wurde eingebracht Die Aktion fand vorsorglich unter Polizeiaufsicht statt - Die Proteste waren zwar laut, blieben aber gewalltfrei - Kritik: gentechnisch veränderte Organismen gelangen in Umgebung UFFENHEIM (kls)- Zum erstenmal in Deutschland wurden gestern auf dem Versuchsfeld bei Uffenheim gentechnisch veränderte Zuckerrüben geerntet - beobachtet von zahlreichen Augenpaaren, begleitet von Protesten und unter Polizeiaufsicht. Der Projektleiter der Firma Monsanto, Dr. Andreas Thierfelder, öffnete gegen 13 Uhr das Tor im Zaun, der das Versuchsfeld umgibt. Ein Einsatzzug der Polizeidirektion Ansbach und Kräfte der Station Uffenheim sicherten den Mitarbeitern den Zugang zum Feld und hielten Demonstranten fern. Außen am Zaun hatten sich Mitglieder der Grünen und des Aktionskreises gegen genmanipulierte Pflanzen postiert und hielten Transparente hoch. Auch der forschungspolitische Sprecher der Grünen im Landtag, Volker Hartenstein, und der Kreisvorsitzende des Bundes Naturschutz, Dr. Friedrich Buer, waren Beobachter. Ehemalige Feldbesetzer begleiteten die Aktion mit Protestrufen und Schimpfkanonaden. Die Polizei brauchte aber nicht einzuschreiten. Einige Gespräche am Rande zwischen Firmensprechern und Gentechnik-Kritikern verliefen in sachlicher Form. Geerntet wurde in Handarbeit. Die Mitarbeiter entfernten zuerst das Blattwerk, stachen dann die Rüben aus dem Boden, legten sie in Leichtmetallbehälter und brachten sie zu einer Registrierstelle. Beaufsichtigt wurde die Ernte auch von einem Mitarbeiter der Bezirksregierung von Unterfranken, die für die Einhaltung der Versuchsbedingungen zuständig ist. Trotz der späten Aussaat und der frühen Ernte erwartet Monsanto von dem Uffenheimer Versuch schon verwertbare Ergebnisse, sagte Pressesprecher Helmut Wagner. Auf den vier Teilflächen war identisches, genverändertes Saatgut ausgebracht worden. Auf einer wurde einmal, auf einer weiteren mehrmals mit dem Totalherbizid „Roundup Ultra“ gespritzt. Auf der dritten wurde ein herkömmliches Pflanzenschutzmittel ausgebracht, auf der vierten schließlich überhaupt nicht behandelt. Die Proben gehen jetzt in ein Analyse-Institut. Dort werden Leistungsdaten verglichen, wie Gewicht, Zuckergehalt, Ertrag pro F1äche. Ebenso wird ein Vergleich zu herkömmlichen Rüben gezogen. Die Biologische Bundesanstalt (sie ist eine der Einvernehmensbehörden des Robert-Koch-Instituts, das für die Versuchsgenehmigung zuständig ist) beurteilt, ob der Versuch verwertbar ist. Das Rübenmaterial, das nicht für die Analysen benötigt wird, muß laut Gesetz vernichtet werden. Dazu wurde es gestern gehäckselt und in den Boden eingearbeitet. Wie es hieß, sollte es mit dem Herbizid eines anderen Herstellers gespritzt werden, gegen das die Monsanto-Rüben nicht resistent sind. Auf dem jetzigen Versuchsfeld wird im nächsten Jahr ein Fruchtwechsel vollzogen. Die zweite Freisetzung gentechnisch veränderten Rübensaatguts erfolgt auf der benachbarten Parzelle. BILD Entsprechend der Versuchsbedingungen waren Wuchs und Qualität der geernteten Rüben höchst unterschiedlich. Beobachtern entging nicht, daß auch von Mäusen stark angefressene Pflanzen dabei waren. Für Dr. Friedrich Buer ist das ein Beleg dafür, daß die Freisetzungsversuche eben nicht „im Griff“ sind. Denn die Mäuse würden nun genveränderte Organismen, die sie aufgenommen haben, in die Umgebung weitertragen. BU: In Handarbeit und unter Polizeischutz wurde gestern die erste Ernte genveränderter Zuckerrüben in Deutschland auf dem Versuchsfeld in Uffenheim eingebracht. Auch Projektleiter Dr. Andreas Thierfelder (vorn Mitte) griff zum Werkzeug. Begleitet wurde die Aktion von Protesten. Sie verlief aber unter wesentlich weniger dramatischen Umständen als die Aussaat Anfang Mai. Foto: Stäck FLZ Nr.202, Mittwoch 3. September 1997