Camp sorgt für Aufsehen Räumung wurde angeordnet UFFENHEIM (hh)- Die Besetzung des Zuckerrübenfeldes durch jugendliche Genrüben-Gegner (die FLZ berichtete gestern) hat im Uffenheimer Land und darüber hinaus für Aufsehen gesorgt. Gestern bekam das ,,Protest-Camp“ - es steht unter dem Motto ,,Gewaltfrei für gewaltigen Widerstand“ - Besuch von verschiedenen Seiten. Viele wollten auch nur vom Auto aus sehen „was da läuft". Ein wenig gedrückte Stimmung herrscht allerdings unter den Jugendlichen, denn das Landratsamt hat die Räumung des Rübenfeldes angeordnet. Ob die Gruppe das Camp auf den nahen Kleeacker eines Biobauern umquartiert, oder es weiter auf dem Rübenfeld beläßt, darüber will man noch beraten. Falls die Räumung des Feldes behördlich durchgesetzt werden sollte, dann wollen sich die Jugendliche, wie sie übereinstimmend beteuern, in jedem Fall gewaltfrei verhalten. Seitens der Uffenheimer Polizei wird in dieser Richtung, wie der amtierende Stationsleiter Johannes Hamacher gestern auf Anfrage erklärte, „zunächst nichts unternommen“. Ob vom Grundstücksbesitzer Dieter Gräf eine Räumung angestrebt wird ist noch :BILD: nicht klar. Er verweist auf den Pächter Monsanto und ist ansonsten zu keiner Stellungnahme bereit. Aufgemuntert wurden die Jugendlichen gestern gegen Abend von dem Grünen-Landtagsabgeordneten Johann Schammann aus Hartershofen. Bei seinem „Solidaritäts-Besuch“ bekundete der Abgeordnete - er überreichte der Gruppe eine Verpflegungskiste mit Bio-Lebensmitteln, teilweise aus eigener Erzeugung, und Getränke - sein Verständnis für diese Aktion, wobei er betonte, daß die jungen Leute nicht allein gelassen werden dürften. Johann Schammann, der agrarpolitische Sprecher von Bündnis 90/Die Grünen im Bayerischen Landtag, hat zusammen mit Vertretern von bäuerlichen Organisationen anderer europäischer Länder Einspruch gegen das Soja-Patent der Firma Monsanto erhoben. Schammann sagte bei seinem gestrigen Besuch: „Derartige Patente sind das Ende der bäuerlichen Landwirtschaft. Auch die Zuckerrüben, die in Uffenheim und Ochsenfurt freigesetzt werden sollen, fallen unter dieses Patent.“ Solidarisch mit den Jugendlichen hat sich auch der Ortsverband Uffenheim der Grünen erklärt. Die gewaltfreie Besetzung des Feldabschnittes sei ein deutliches Zeichen der Jugend vor allem an die Politiker. Die Sorge und Angst um unsere Zukunft müsse endlich ernst genommen werden, heißt es in der Mitteilung. Die Grünen bitten die Bevölkerung, das „ProtestCamp“ zu besuchen. Pfarrer Jürgen Blum, der Vorsitzen des Arbeitskreises gegen genmanipulierte Pflanzen Uffenheim, indes distanziert sich, wie er gestern gegenüber FLZ erklärte, von der Feldbesetzungsaktion: ,,Wir sind für den friedlichen Dialog.“ BU: Gestern abend im „Protest-Camp“ auf dem besetzten Zuckerrübenfeld nahe Uffenheim: MdL Johann Schammann (Mitte) im Gespräch mit jugendlichen Besetzern und Besuchern. Foto: Herbst/FLZ FLZ Nr.89, Freitag, 18. April 1997