Besetzung des Ackers für Genrüben Chemie-Manager rechnen mit Einsicht ERLACH/UFFENHEIM (RAP/HI) Zu der Feldbesetzung bei Uffenheim nahm Dr. Andreas Thierfelder, verantwortlicher Versuchsleiter der Freisetzungsversuche der Firma Monsanto in Deutschland, bei einer Informationsveranstaltung im Ochsenfurter Stadtteil Erlach (Lkr. Würzburg) Stellung. Dr. Thierfelder sagte, er hoffe auf die Einsicht der Besetzer. Ansonsten werden sich solche Szenarien wie momentan in Uffenheim wiederholen. Circa 30 Leute haben das Test-Feld, auf dem die genmanipulierten Rüben ausgesät werden sollen, besetzt. Zelte und Palisaden wurden errichtet. Befürchtungen machen sich breit, daß ähnliche Zustände wie auf Bodenflächen in Niedersachsen oder Baden-Württemberg eintreten. Dort würden die Besetzer ,,keine gesellschaftlichen Regeln mehr einhalten", so Dr. Thierfelder. Personalien notiert Jörg Becker, Mitarbeiter von Monsanto, war deshalb vor Ort in Uffenheim und redete mit den Anwesenden. Weil er nicht den Eindruck hatte, daß sich diese in nächster Zeit freiwillig ,,vom Acker machen", informierte er sie darüber, was auf sie zukomme. Da die Polizei die Personalien aufgenommen habe, erhalte demnächst jeder Einzelne ein Schreiben von dem bereits eingeschalteten Rechtsanwalt. Die Besetzung sei ein widerrechtlicher Eingriff in das Eigentum der Firma, denn diese hat das Feld für drei Jahre gepachtet. Kein Holzhammer ,,Wenn sich die Leute über die Konsequenzen ihres Vorgehens und die auf zukommenden Geldstrafen im Klaren werden", so glaubt Thierfelder, ,,werden sie das Feld hoffentlich räumen". Ansonsten werde die Polizei die Besetzer ,,ernten". Die Firma Monsanto könne und wolle ,,den Holzhammer" aber nicht auspacken. Auf die Frage: ,,Was passiert, wenn die Versuchs-Rüben niedergetrampelt oder herausgerissen werden?" antwortete er: ,,Ich wäre traurig". An patroullierende Polizei, Bewacher oder Zäune denke Monsanto nicht. Einzig und allein mit ,,Aufklärung durch Information“ könne ,,Akzeptanz geschaffen" und der mutwilligen Zerstörung vorgebeugt werden. Thierfelder versprach, daß während der gesamten Versuchszeit Veranstaltungen und Feldbegehungen durchgeführt werden. Kaltes Lagerleben Die Besetzung des Feldes, das für den Freisetzungsversuch Roundup resistenter Zuckerrüben in der Flur der Stadt Uffenheim reserviert ist, wurde auch über das Wochenende durch eine Gruppe junger Menschen aufrecht erhalten. Inzwischen wurden aus vier sechs Zelte. Das Wetter meinte es jedoch nicht gerade gut mit den Besetzern. Kalte Nächte und ein ebenso kalter Wind während des Tages reduzierten das allgemeine Interesse. Inzwischen führte die Besetzung auch zu Meinungsverschiedenheiten im Uffenheimer Aktionskreis. Dieser tagte am Samstag abend. Nach Auskunft des Pressesprechers, Uwe Kekeritz, Custenlohr, wurde die Art und Weise der Austritte einiger Personen in der letzten Sitzung kritisiert. Sie seien nur als Einzelpersonen ausgetreten, denn Klaus Markert von der SPD sei ebenso anwesend gewesen wie auch zwei Vertreter des AKU. Den Vorwurf gegen Uwe Kekeritz, daß er das Pressesprecheramt für seine Partei, Bündnis 9O/Die Grünen, ausnütze, wollte dieser nicht auf sich sitzen lassen. Nach eigener Aussage stellte er sein Amt am Samstagabend zur Verfügung. Bei der nächsten Zusammenkunft am heutigen Montag, um 20.30 Uhr im Gasthaus 'Traube, in Uffenheim will man über das weitere Vorgehen des Aktionskreises beraten. Besetzer äußern sich In einer Stellungnahme äußeren sich die Besetzer zu den Motiven. So seien die Besetzer der Ansicht, daß mit Gentechnik ein Verbrechen gegen die Schöpfung und gegen Gott begangen werde. Zudem stelle die Technik eine unschätzbare Gefahr für die Menschheit dar. In der Mitteilung heißt es noch, daß sie sich nicht als politische Gruppe verstehen. Main-Post Nr.90, Samstag 19.April 1997