Behördenvertreter wiesen die Jugendlichen auf die rechtliche Seite ihres Handelns hin-Dennoch: Besetzer wollen ausharren solange es geht Landratsamt: “Jetzt keine Zwangsräumung“ - Polizei will das Geschehen „genau im Auge behalten“ UFFENHEIM (hh) - Die Lage auf dem von Jugendlichen besetzten Zuckerrübenfeld nahe Uffenheim spitzt sich zu. Gestern bekam die aus 40 bis 50 Personen lose zusammengesetzte Gruppe von Jugendlichen in ihrem auf dem Rübenacker errichteten ,,Protest-Camp" Behördenbesuch: Vertreter des Landratsamtes und der Polizei suchten den Dialog mit den Feldbesetzern und machten sie auf mögliche rechtliche Konsequenzen aufmerksam. Die aktuelle Situation: Eine Zwangräumung des Camps wird zum jetzigen Zeitpunkt - solange vonseiten der Firma Monsanto, als Pächter der Feldparzelle, keine Anzeige vorliegt - vom Landratsamt nicht angeordnet. Das versicherte Regierungsrat Christoph Hammer. der Leiter des Sachgebiets Öffentliche Sicherheit und Ordnung, gestern mittag im Gespräch mit der FLZ. Ebenso verhält sich die örtliche Polizei, wie der amtierende Dienststellenleiter, Polizeioberkommissar Johannes Hamacher feststellte. Die Polizei werde das Geschehen auf dem besetzten Acker nach Weisung der Polizeidirektion Ansbach aber ,,genau im Auge behalten“ , so Hamacher. Man wolle auch verhindern, daß es bei dem am Wochenende zu erwartenden Besucheransturm im Umfeld des besetzten Feldes zu Verkehrsbehinderungen oder gar Ausschreitungen kommt. Diese Sorge teilte auch Uffenheims Bürgermeister Georg Schöck, der sich ebenfalls im ,,Protest-Camp" umschaute. Nach seiner Meinung wäre es BILD BU: In dem ,,Protest-Camp" auf dem Rübenacker ging es auch gestern friedlich zu. Die Polizei suchte den Dialog mit den Besetzern. Fotos: Herbst besser gewesen, die jungen Leute hätten sich auf dem ,,neutralen Boden eines Nachbargrundstücks niedergelassen“. Regierungsrat Hammer machte vor Ort deutlich, daß durch das Vorgehen der jungen Leute bereits der Tatbestand einer Straftat bestehe, denn die Feldbesetzung hätte nach dem geltenden Gesetz 48 Stunden vorher bei den zuständigen Behörden angezeigt werden müssen. Außerdem seien verschiedene Ordnungswidrigkeiten festzustellen. Im übrigen sei gegen eine Demonstration dieser Art nichts einzuwenden, vorausgesetzt sie bewe- BILD BU: Regierungsrat Christoph Hammer vom Landratsamt und Uffenheims Bürger meister Georg Schöck gestern im Gespräch mit Genrüben-Freisetzungsgegnern. ge sich im Rahmen der rechtlichen Grenzen, betonte Hammer. Was ist, wenn vom Robert-Koch-Institut ,,grünes Licht" für den beantragten Genrüben-Freisetzungsversuch ein entsprechender Bescheid, ob positiv oder negativ, wird für die kommende Woche erwartet - gegeben.wird? Die jungen Leute werden im Falle der Genehmigung des geplanten Freisetzungsversuches, wie sie gegenüber den Behördenvertretern und der Polizei· feststellten, die vorgesehene Parzelle auch dann weiter besetzen. ,,Wir wollen auf diese Weise die Aussaat verhindern und deshalb bleiben wir solange wie es geht", so ihre Marschrichtung. Allerdings hofft man noch darauf, wie immer wieder geäußert wurde, daß der Versuch nicht genehmigt wird. Inzwischen gab es für die Feldbesetzer eine Welle von Sympathiebekundungen und Solidaritätserklärungen . Die beiden Bundestagsabgeordneten der Grünen, Elisabeth Altmann und Marina Steindor, bezeichnen die gewaltfreie Besetzung des Gen-Ackers als ein ,,deutliches Signal gegen die Bundesregierung und den transnationalen Chemie-Konzern Monsanto." Unterstützung signalisierte von Bündnis 9O/Die Grünen nach dem Ortsverband Uffenheim jetzt auch der Kreisverband Ansbach, der feststellt, daß ,,durch den Einsatz der Gen-Technik die Probleme in der Landwirt nur verschärft und die noch bäuerlich-landwirtschaftlichen Strukturen zerstört werden," sowie der Aktionskreis gegen Gen-Freilandversuche im Landkreis Würzburg. FLZ Nr.90, Samstag 19. April 1997