Die Besetzer des Uffenheimer Monsanto-Genrübenfelds sollen Kosten übernehmen Auseinandersetzung wird im Gerichtssaal fortgeführt Gelder werden vom Aktionskreis für Betroffene gesammelt - Einige beschreiten Rechtsweg UFFENHEIM (fla) - Die Rüben auf dem Versuchsfeld bei Uffenheim wachsen, es wird weiterhin von den Gegnern bewacht. Inzwischen hat sich in der Auseinandersetzung eine zweite Front aufgetan: Monsanto will von den Feldbesetzern die eigenen Rechtsanwaltskosten eintreiben. Im Raum steht ein Betrag von 6480 Mark an Rechtsanwaltskosten, die das Unternehmen von den Feldbesetzern erstattet haben möchte. Dazu aufgefordert wurden jene Leute, die die Erklärung nicht unterschrieben haben, das Genrübenfeld nicht zu betreten. Der Aktionskreis hat einen „Rechtsfonds für Feldbesetzer“ eingerichtet, um Spendengelder zu sammeln. Inzwischen sind mehr als 2700 Mark zusammengekommen, die von Einzelspendern und zum Großteil aus den Erlösen eines Musikfestivals stammen. Werner Hofmann, der die Kasse verwaltet: „Das Geld ist für jene gedacht, die an Monsanto bezahlt haben.“ 360 Mark sollten sie bis vergangenen Montag berappen. Die Hälfte sollen sie jetzt als Zuschuß erhalten. „Meist handelt es sich um Schüler, die kaum Geld haben“, begründet Hofmann die Aktion. Es handelt sich um einen Kreis von 18 Personen. Nicht alle von ihnen wollen die Angelegenheit Feldbesetzung mit der Zahlung endgültig zu den Akten legen. Einige beschreiten den Rechtsweg. Der Ausgang ist noch offen. „Ich sollte eine Unterlassung unterschreiben, tat es aber nicht“, erinnerte sich Sebastian Q. an den ersten Briefkontakt mit der Firma. Er habe sich gewundert, daß die Polizei die Personalien der Leute am Feld aufgenommen habe, auch von jenen, die den Acker nicht besetzt hätten. Dazu zählte er sich und deshalb wollte er auch nichts unterschreiben und bezahlen. Die Chance, ungerupft aus der Angelegenheit herauszukommen, schätzt er auf „50:50“. Auch Kolia T. hat nicht bezahlt. Er geht davon aus, daß der Rechtsanwalt von Monsanto Klage einreicht. In der Rückschau ist er nach wie vor der Überzeugung, richtig gehandelt zu haben. „Unser passiver Widerstand gegen das Vorhaben der Firma war toll. Aber enttäuscht bin ich, wie wir von den Behörden behandelt wurden. Auch die Resonanz in der Bevölkerung auf unsere Aktion war enttäuschend.“ BILD „Der Rechtsanwalt hat empfohlen, zu zahlen“ berichtet der Vater von Udo H.. Sein Sohn habe eine Woche Ferienarbeit gemacht, um das Geld aufzubringen. „Er wird künftig wohl etwas vorsichtiger sein.“ „Ich würde es wieder machen“, ist Sebastian N. von der Sinnhaftigkeit der Feldbesetzung nach wie vor überzeugt. Verwundert habe ihm, daß die Polizei die Adressen der Besetzer an das Unternehmen weitergab, damit dieses rechtliche Schritte einleiten konnte. „Das wäre doch eher die Sache des Landratsamts gewesen.“ Für ihn persönlich war wichtig, daß er in der Familie Rückhalt verspürt habe. BU: Ein Lagerleben in entspannter Atmosphäre war es am Anfang. Später verschärfte sich die Situation rund um das Uffenheimer Genrübenfeld. Heute sollen die Besetzer für Unkosten der Firma Monsanto aufommen. Foto: Stäck FLZ Nr.191, Mittwoch 20. August 1997