Mit einer Räumung endete gestern die dreiwöchige Ackerbesetzung 25 Polizisten sichern Feld gegen Genrüben-Gegner UFFENHEIM Die Polizei hat gestern das besetzte Feld bei Uffenheim räumen lassen. Gleichzeitig begann Monsanto mit der Aussaat von Genrüben. VON GISELA RAUCH Ein Feld bei Uffenheim, mit 21 mal. 41 Metern nicht einmal halb so groß wie ein mittelprächtiger Fußballplatz, ist das wohl bestbewachte Feld Deutschlands: 25 Polizisten sichern es ab. Die Beamten sollen sicherstellen, daß der US-Konzern Monsanto auf dem Acker genmanipulierte Zuckerrüben ansäen kann. Als die etwa acht Einsatzfahrzeuge und zwei Mannschaftsbusse der Polizei am Dienstag gegen 11.45 Uhr in den schmalen Feldweg einbiegen, der zum besetzten Monsanto-Acker führt, sind einige der zumeist jungen Feldbesetzer, die, wie berichtet, seit knapp, drei Wochen in Zelten auf dem Acker kampieren, gar nicht „zu Hause“. „Buffy“, eine ältere Besetzerin, die die Stellung gehalten hat, ruft ihre insgesamt zwanzig Mitstreiter per Handy zurück auf den Acker: auf daß sie „geräumt“ werden können. Die Nachricht, daß 25 bewaffnete Beamte das Feld umstellt haben, scheint sich unter den Uffenheimern wie ein Lauffeuer verbreitet zu haben. Der Bürgermeister sei da, heißt es, der Pfarrer, der Lehrer. Etwa 40 Leute stehen am Ackerrand, warten, was passiert. Nachher werden die Beamten die Auffassung vertreten, es sei „gewaltfrei geräumt“ worden, während die Besetzer erklären werden, sie seien „freiwillig“ gegangen. Was wohl nicht zuletzt dem Umstand zu verdanken war, daß die Beamten von zwei nicht besonders freundlich wirkenden Schäferhunden begleitet wurden. Einer von ihnen springt an einem jungen, dunkelhaarigen Mann hoch, der in Panik vom Acker rennt. Während Monsanto unter der Aufsicht des deutschen Projektleiters für Genrüben-Freilandversuche, Dr. Andreas Thierfelder, eine Sämaschine auf den Acker rollen läßt, heben einige der Besetzer am Ackerrand zu Protestchören an. Auf drei Ethno-Trommeln trommelt ein Genrüben-Gegner afrikanische Rhythmen. Zwei der Protestler tröten. Der Rest johlt. Derweil stapft der Projektleiter in Hemdsärmeln weiter über den Acker, hält sich dicht neben der Sämaschine, die stur Spur um Spur zieht. „Das macht doch überhaupt keinen Sinn, bei dem Wind auszusäen, meinen ein paar Leute aus dem Ort, „die Saat weht's doch weg“ Die vertriebenen Besetzer erklären unterdessen der Presse, das sie vom benachbarten Acker aus mit ihrer Protestaktion fortfahren wollen. Und wie lange bleiben die Polizisten? Sie können den Acker doch nicht unbegrenzt bewachen. „Wir bleiben solange wie es notwendig ist“, sagt der Einsatzleiter der Polizei. - Als es dunkel wird, ist noch ein Fahrzeug der Polizei vor Ort. BILD BU: Auf einem 21 mal 41 Meter großen Feld vor den Toren Uffenheims begann gestern gegen Mittag nach einer Räumungsaktion der Polizei die Aussaat von Genrüben. Etwa 25 Polizisten in Begleitung zweier Polizeihunde sicherten das Feld ab. Der Acker ist, wie berichtet, von dem amerikanischen Chemie- und Lebensmittelkonzern Monsanto gepachtet worden, der in Uffenheim, in Erlach und an sechs anderen Standorten in der Bundesrepublik genmanipulierte Zuckerrüben in Freilandversuchen erproben will. Main-Post Nr.105, Mittwoch 7. Mai 1997